Folsäuremangel

Wieso leidet man unter einem Folsäuremangel?

Folsäure ist ein wich­ti­ger Bestand­teil einer gesun­den und ausge­wo­ge­nen Ernäh­rung. Folsäure, auch Vitamin B9 oder B11 genannt, kann vom Körper nur in sehr gerin­gem Maße gespei­chert werden. Deshalb ist eine dauer­hafte und ausrei­chende Zufuhr wich­tig, um einen gesun­den Stoff­wech­sel zu erhal­ten. Doch genau das fällt vielen Menschen heut­zu­tage zuneh­mend schwer. Gerade in Indus­trie­län­dern wie Deutsch­land ernäh­ren sich die meis­ten Menschen nicht gesund genug. Spezi­ell Gemüse und Obst werden kaum, oder gar nicht verzehrt, worun­ter die tägli­che Folsäure-Zufuhr leidet. Hinzu kommt, dass Folsäure sehr hitze- und licht­emp­find­lich ist, weswe­gen zahl­rei­che Lebens­mit­tel schon bei Trans­port, Lage­rung und Zube­rei­tung der Spei­sen einen großen  Anteil des Vitamins verlie­ren. Ein weite­res Problem besteht darin, dass nicht jeder Mensch Folsäure gleich gut verwer­ten kann, weswe­gen manche Leute sogar bei ausrei­chen­der Zufuhr unter­ver­sorgt sein können. Nicht zuletzt können Fakto­ren wie Alter, Gewicht, Sport, Krank­hei­ten oder die Einnahme bestimm­ter Medi­ka­mente den Folsäure-Bedarf kurz­zei­tig, oder lang­fris­tig beein­flus­sen und zusätz­lich in die Höhe trei­ben. Spezi­ell für schwan­gere Frauen ist dieser Aspekt beson­ders wich­tig, da ihr Bedarf sich im Rahmen der Schwan­ger­schaft zum Teil sogar verdop­pelt, wodurch noch schnel­ler ein Mangel entste­hen kann.

Insge­samt kann man fest­hal­ten, dass ein Groß­teil der Menschen in Deutsch­land, bzw. in ganz Europa weit weni­ger Folsäure zu sich nimmt, als eigent­lich empfoh­len wird. Man geht davon aus, dass ein gesun­der Erwach­se­ner unge­fähr 400µg Folsäure täglich aufneh­men sollte. Laut Bundes­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung nahmen jedoch im Jahr 2000 die Männer nur zwischen 195 und 376µg Folsäure zu sich. Bei den Frauen lag der Wert zwischen 194 und 359µg und damit eben­falls deut­lich unter der Mindest­emp­feh­lung. Es scheint also den meis­ten Menschen schwer zu fallen, nur über die normale Ernäh­rung genü­gend Folsäure zu sich zu nehmen.

Folsäure-Mangel ist also ein weit verbrei­te­tes Problem und es lohnt sich in jedem Fall, sich etwas genauer mit dieser Thema­tik ausein­an­der zu setzen. Sollte man es nämlich nicht schaf­fen, eine ausrei­chende Menge Folsäure über die Nahrung aufzu­neh­men, kann es sich durch­aus lohnen, auf ein Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel zurück­zu­grei­fen.


Wie erkennt man einen Folsäuremangel?

Als Laie ist es schwie­rig zu erken­nen, ob man unter einem Folsäure-Mangel leidet. Zwar können gewisse Symptome, wie z. B. Müdig­keit und Abge­schla­gen­heit, auf einen Mangel hinwei­sen, jedoch stel­len sie keine siche­ren Anzei­chen dar. Symptome an Magen, Darm und Herz können eben­falls auftre­ten, lassen sich jedoch auf unter­schied­lichste Ursa­chen zurück­füh­ren. Deshalb ist es notwen­dig, sich für eine sichere Diagnose in ärzt­li­che Behand­lung zu bege­ben. Nur so kann ein Folsäure-Mangel sicher erkannt werden. Dazu wird einfach die Konzen­tra­tion der Folsäure im Blut gemes­sen. Jeder Mensch hat einen gewis­sen Folsäure-Spie­gel im Blut, der zuver­läs­sig wider­spie­gelt, ob man ausrei­chend Folsäure im Körper hat. Es reicht also ein kurzer Besuch beim Haus­arzt, um sich Gewiss­heit über einen mögli­chen Folsäu­re­man­gel zu verschaf­fen.

Folgen eines Folsäuremangels

Gerät man in einen echten Folsäure-Mangel, so kann dies zu erns­ten gesund­heit­li­chen Proble­men führen. Die Folsäure kann in dieser Situa­tion nicht mehr ihre zahl­rei­chen Aufga­ben im mensch­li­chen Körper ausfüh­ren. Dadurch finden spezi­ell Zell­tei­lung und Wachs­tums­pro­zesse nur noch in redu­zier­tem Maße statt. Das wiederum kann lang­fris­tig zu verschie­de­nen Krank­heits­bil­dern führen.

Folsäuremangel-Anämie

Folsäure ist für die Zell­tei­lung und darüber letzt­lich für die Blut­bil­dung verant­wort­lich. Durch einen Folsäure-Mangel kann es daher zu Proble­men und Defi­zi­ten bei der Blut­bil­dung kommen und es entsteht eine Blut­ar­mut. Diesen Zustand bezeich­net man als Anämie. Dabei können die roten Blut­kör­per­chen, die sog. Erythro­zy­ten, nicht mehr rich­tig gebil­det werden und nehmen eine krank­hafte, über­große Form von. Man spricht von einer mega­l­ob­la­stä­ren Anämie. Diese kann neben dem Folsäure-Mangel auch durch einen Mangel an Vitamin B12 entste­hen, da dieses Vitamin für die Akti­vie­rung der Folsäure im Körper benö­tigt wird. Ein Vitamin-B12-Mangel zieht daher oft einen sog. funk­tio­nel­len Folsäure-Mangel nach sich.

Weniger Leistungsfähigkeit durch Folsäuremangel?

Viele Menschen fühlen sich dauer­haft müde, abge­schla­gen und alles andere als leis­tungs­fä­hig. Eine von vielen mögli­chen Erklä­run­gen für diesen Zustand kann eine Blut­ar­mut, ausge­löst durch einen Folsäure-Mangel, sein. Aufgrund des  Folsäure-Mangels findet die Blut­bil­dung im Körper nur noch in einge­schränk­tem Maße statt. Spezi­ell die roten Blut­kör­per­chen können ihre Aufga­ben nicht mehr rich­tig erfül­len. Eine dieser Aufga­ben ist der Trans­port von Sauer­stoff. Der Sauer­stoff wird vor allem im Rahmen der zellu­lä­ren Ener­gie­ge­win­nung benö­tigt. Wird nicht mehr ausrei­chend Sauer­stoff trans­por­tiert, kann die Ener­gie­ge­win­nung nur noch einge­schränkt statt finden. Man wird müde, abge­schla­gen und die Konzen­tra­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit nehmen ab. In dieser Situa­tion kann eine zusätz­li­che Folsäure-Zufuhr über ein Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel helfen, die Blut­bil­dung wieder zu norma­li­sie­ren.

Zellentartung durch Folsäuremangel?

Eine gefähr­li­che Folge von unzu­rei­chen­der Folsäure-Zufuhr kann die Zellent­ar­tung sein. Gene­rell spielt Folsäure eine wich­tige Rolle bei der Vermeh­rung des Erbguts im Rahmen der Zell­tei­lung, also der Bildung von DNA und RNA. Ist zu wenig Folsäure vorhan­den, kann dieser Prozess ins Stocken gera­ten oder gestört werden. Es kann zu Muta­tio­nen kommen, was im Extrem­fall zu einer Entar­tung der Zelle führt. In diesem Zustand beginnt die Zelle sich unkon­trol­liert zu teilen und zu wach­sen, was letzt­lich in einer Krebs­er­kran­kung münden kann. Glück­li­cher­weise werden die aller­meis­ten dieser fehler­haf­ten Zell­tei­lun­gen von unse­rem Körper erkannt und korri­giert, sodass es eher unwahr­schein­lich ist, dass eine kurz­fris­tige Unter­ver­sor­gung mit Folsäure ernst­haft das Krebs­ri­siko erhöht. Trotz­dem scha­det es nicht, im Hinblick auf die gesunde Zell­tei­lung ein Auge auf eine ausrei­chende Folsäure-Zufuhr zu haben.

Schlaganfälle durch Folsäuremangel?

Eine weitere wich­tige Aufgabe von Folsäure zusam­men mit Vitamin B12 ist es, die Konzen­tra­tion der Amino­säure Homo­cystein zu regu­lie­ren und deren poten­ti­ell schäd­li­che Wirkung einzu­däm­men. Eine ausrei­chende Aufnahme von Folsäure und Vitamin B12 trägt dazu bei, den Homo­cystein-Wert zu senken. Gelingt dies nicht, bzw. bleibt der Wert der schäd­li­chen Amino­säure erhöht, kann das zu erns­ten Proble­men führen. Gerade im Bereich der Gefäße. Zwar ist der Zusam­men­hang zwischen Gefäß­ge­sund­heit und Homo­cystein-Spie­gel wissen­schaft­lich noch nicht abschlie­ßend erforscht, jedoch deutet vieles darauf hin, dass ein erhöh­ter Homo­cystein-Wert mit Gefäß­schä­di­gung einher­geht. Jeder Scha­den an den Gefä­ßen erhöht das Risiko von Arte­rio­skle­rose, also der Einla­ge­rung von Fett, Gerinn­seln und Kalk in den Gefäß­wän­den. Solche Einla­ge­run­gen können wiederum zu Gefäß­ver­schlüs­sen und darüber zu Schlag­an­fäl­len und Herz­in­fark­ten führen. Deswe­gen könnte sich spezi­ell im fort­ge­schrit­te­nen Alter eine zusätz­li­che Zufuhr von Folsäure durch­aus lohnen.

Unfruchtbarkeit durch Folsäuremangel?

Wenn man sich über Folsäure oder Folat infor­miert, stößt man meis­tens als erstes auf das Thema Schwan­ger­schaft. Unzäh­lige Frauen berich­ten davon, vor, während, oder nach einer Schwan­ger­schaft vermehrt Folsäure zu sich genom­men zu haben, in der Regel auf Anra­ten ihrer Frau­en­ärz­tin. Durch diese Maßnahme ist es möglich, das Risiko von soge­nann­ten Neural­rohr-Defek­ten beim unge­bo­re­nen Kind erheb­lich zu redu­zie­ren, weshalb auch offi­zi­ell empfoh­len wird, wenn möglich, bereits vier Wochen vor Beginn der Schwan­ger­schaft täglich 400µ Folsäure zusätz­lich zur tägli­chen Ernäh­rung einzu­neh­men. Über diesen erwie­se­nen Nutzen im Rahmen der Schwan­ger­schaft hinaus, gibt es Hinweise, dass ein Folsäure-Mangel im Vorfeld einer Schwan­ger­schaft, die Frucht­bar­keit von Mann und Frau mindern könnte. Männ­li­che Samen- und weib­li­che Eizel­len sind sehr teilungs­ak­tiv, sodass ein Mangel an Folsäure, welche im Rahmen der Zell­tei­lung benö­tigt wird, die Produk­tion der Geschlechts­zel­len einschrän­ken könnte. Ein weite­rer Grund also, bei Kinder­wunsch auf eine ausrei­chende Folsäure-Zufuhr zu achten.

Risikogruppen für Folsäuremangel

Verschie­dene Alters- und Bevöl­ke­rungs­grup­pen sind auf Grund eines erhöh­ten Bedarfs, oder einer vermin­der­ten Zufuhr prädis­po­niert für einen Folsäure-Mangel. Da wären zunächst einmal junge, schwan­gere Frauen, oder auch Frauen in der Still­zeit, da diese einen bis zu zwei­fach erhöh­ten tägli­chen Bedarf an Folsäure haben. Beson­ders gefähr­det sind dabei Frauen mit Zwil­lings-, oder sogar Dril­lings-Schwan­ger­schaf­ten, da das Wachs­tum von mehre­ren Kindern natür­lich einen zusätz­lich gestei­ger­ten Folsäure-Verbrauch nach sich zieht.

Darüber hinaus soll­ten auch ältere Menschen ab 60 Jahren ein Auge auf ihre Folsäure-Zufuhr haben, weni­ger, weil ihr Bedarf derart hoch ist, sondern eher, weil es im Alter oft schwe­rer fällt ihn zu decken. Dabei können gerade ältere Menschen von einer erhöh­ten Folsäure-Zufuhr profi­tie­ren, da Folsäure am Abbau der Amino­säure Homo­cystein betei­ligt ist, welche die Entste­hung von neuro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen fördern kann.

Eine weitere, beson­ders große Risi­ko­gruppe sind Menschen, die zu wenig Gemüse und Obst zu sich nehmen. Ohne eine ausge­wo­gene Ernäh­rung mit frischen Lebens­mit­teln ist es kaum möglich, seinen tägli­chen Folsäure-Bedarf über die Nahrung zu decken. Noch proble­ma­ti­scher wird die Situa­tion, wenn zusätz­lich Tabak und Alko­hol konsu­miert werden, da diese dem Körper Nähr­stoffe entzie­hen können. Ähnli­ches gilt für einige Medi­ka­mente.

Wenn man sich zu einer dieser Risi­ko­grup­pen zählt, ist es sinn­voll, sich einmal Gedan­ken über die eigene Folsäure-Zufuhr zu machen. Sollte man nicht dazu in der Lage sein, den tägli­chen Bedarf über die Nahrung zu decken, könnte es sich unter Umstän­den lohnen, auf ein Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel zurück­zu­grei­fen.

Symptome eines Folsäuremangels

Ein Folsäure-Mangel wird in der Regel nicht unmit­tel­bar sympto­ma­tisch werden. Da Folsäure vor allem auf die Zell­tei­lung wirkt, treten die ersten Symptome meist erst dann auf, wenn eine redu­zierte Zell­tei­lung die Funk­tion einzel­ner Organ­sys­teme einzu­schrän­ken beginnt. In den meis­ten Fällen wird davon als erstes die Blut­bil­dung betrof­fen sein. Durch den Folsäure-Mangel ist die Bildung der roten Blut­kör­per­chen, der soge­nann­ten Erythro­zy­ten, gestört. Da diese für den Sauer­stoff­trans­port im Blut verant­wort­lich sind, kommt es in diver­sen Gewe­ben zu einem Sauer­stoff­man­gel. Sauer­stoff wird vor allem im Rahmen der Ener­gie­ge­win­nung benö­tigt, weshalb die ersten Anzei­chen einer Folsäure-beding­ten Blut­ar­mut (Anämie) Müdig­keit, Antriebs­lo­sig­keit und Abge­schla­gen­heit sind. Hinzu können Schwin­del, Atem­not, Blässe und Kopf­schmer­zen kommen. Mögli­che weitere Symptome eines Folsäure-Mangels umfas­sen Übel­keit, Durch­fall, depres­sive Verstim­mun­gen und erhöhte Reiz­bar­keit.

Das Problem bei diesen Sympto­men besteht darin, dass sie extrem unspe­zi­fisch sind und auf zahl­rei­che Ursa­chen zurück­ge­führt werden könn­ten. Selbst ein erfah­re­ner Arzt kann nicht ausschließ­lich an Hand der oben aufge­führ­ten Symptome die Diagnose Folsäure-Mangel stel­len. Dazu ist es notwen­dig, Blut abzu­neh­men, und sich unter ande­rem genau die Morpho­lo­gie der roten Blut­kör­per­chen anschauen.