Folsäure in der Schwangerschaft

Welche Auswirkung hat Folsäure auf eine Schwangerschaft?

Folsäure, bzw. Folat spielt eine wich­tige Rolle im mensch­li­chen Stoff­wech­sel. Aufgrund ihrer Funk­tion im Rahmen der Zell­tei­lung ist Folsäure an nahezu allen Wachs­tums- und Aufbau­pro­zes­sen im Körper betei­ligt. Spezi­ell während der Schwan­ger­schaft finden solche Prozesse im gestei­ger­ten Maße statt, weshalb Folsäure auch als “Schwan­ger­schafts-Vitamin” bekannt ist. So soll dieses Vitamin im Vorfeld der Schwan­ger­schaft die Frucht­bar­keit stei­gern und schwe­ren Fehl­bil­dun­gen des unge­bo­re­nen Kindes vorbeu­gen.

Wann ist die Einnahme von Folsäure sinnvoll?

Grund­sätz­lich benö­tigt jeder Mensch täglich eine gesunde Dosis Folsäure, bzw. Folat, genau wie bei jedem ande­ren Vitamin auch. Theo­re­tisch sollte das bereits über die normale Nahrung zu bewerk­stel­li­gen sein. Jedoch reicht die alltäg­li­che Ernäh­rung in den meis­ten Fällen leider nicht mehr aus. Dies kann zum einen natür­lich an der falschen Ernäh­rung liegen. Isst man zu wenig folsäu­re­hal­tige Lebens­mit­tel, ist man schnell unter­ver­sorgt. Spezi­ell, wenn man nur wenig Gemüse zu sich nimmt, darf man sich über einen Folsäure-Mangel nicht wundern. Aber selbst wenn man sehr auf seine Ernäh­rung achtet und vermehrt auf folsäu­re­hal­ti­gen Lebens­mit­tel zurück­greift, ist es nicht immer möglich, den wirk­li­chen Bedarf voll­stän­dig zu decken. Das wird beson­ders während der Schwan­ger­schaft, sowie unmit­tel­bar davor und danach deut­lich, wenn jungen Frauen plötz­lich empfoh­len wird, die andert­halb­fa­che, oder sogar doppelte Menge Folsäure zu sich nehmen. In dieser Lage stößt die Zufuhr über die normale Nahrung endgül­tig an ihre Gren­zen und es ist nötig, auf ein Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel auszu­wei­chen.

Warum ist Folsäure wichtig für die Kinderplanung?

Wenn man plant, ein Kind zu bekom­men, dann sollte die Frau bereits während dieser Phase damit anfan­gen, täglich 400µg Folsäure ergän­zend neben dem Essen zu sich zu nehmen. Das ist notwen­dig, weil die Frau am besten bereits vier Wochen vor der Schwan­ger­schaft mit der Folsäure-Einnahme begin­nen sollte. Da sich ein Schwan­ger­schafts­be­ginn jedoch in den seltens­ten Fällen präzise planen lässt, sollte man mit der Folsäure-Einnahme bereits bei Aufkom­men des Kinder­wun­sches begin­nen. Ansons­ten besteht die Gefahr, dass die frühe neuro­nale Entwick­lung des unge­bo­re­nen Kindes nicht problem­los abläuft, wodurch es zu schwer­wie­gen­den Fehl­bil­dun­gen kommen kann.


Wie viel Folsäure ist ratsam in der Schwangerschaft?

Gene­rell sollte es auch ohne Schwan­ger­schaft immer das Ziel sein, den tägli­chen Folsäure-Bedarf von unge­fähr 400 µg zu decken. Dieser Grund­be­darf ist jedoch in verschie­de­nen Lebens­pha­sen zum Teil deut­lich erhöht. Entspre­chend müssen die Betrof­fe­nen dafür sorgen, dass ihr Körper in diesen Phasen noch mehr Folsäure bekommt. Zu diesen beson­de­ren Lebens­pha­sen gehö­ren Kinder­wunsch, Schwan­ger­schaft und Still­zeit. Dementspre­chend ist es nicht verwun­der­lich, dass Frau­en­ärzte den werden­den Müttern empfeh­len, während der Schwan­ger­schaft noch mehr Folsäure zu sich zu nehmen. Eine häufige Empfeh­lung lautet, dem Körper während der Schwan­ger­schaft unge­fähr 600–800µg Folsäure zuzu­füh­ren. Je nach­dem, wie viel Folsäure die Frau schon über die Nahrung aufnimmt, muss sie zum Errei­chen dieser Menge auf ein Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel zurück­grei­fen. Ein guter Richt­wert sind da dabei 400µg Folsäure zusätz­lich zur tägli­chen Ernäh­rung.

Um den gestei­ger­ten Folsäure-Bedarf in der Schwan­ger­schaft zu decken ist es also wich­tig, seine Ernäh­rung einschät­zen zu können, sich zu infor­mie­ren und genau darauf zu achten, wie viel Folsäure in den jewei­li­gen Lebens­mit­teln steckt. Wie lange man dann während der Schwan­ger­schaft auf Folsäure-Präpa­rate zurück­greift, sollte man am besten mit der behan­deln­den Frau­en­ärz­tin oder dem Frau­en­arzt bespre­chen, wobei in den meis­ten Fällen empfoh­len wird, die Einnahme mindes­tens für das erste Drit­tel der Schwan­ger­schaft fort­zu­set­zen.

Was, wenn man die Folsäure an einem Tag vergessen hat?

Wer einen stres­si­gen Tag hatte und viel um die Ohren hat, kann schon mal verges­sen, die tägli­che Folsäure-Kapsel einzu­neh­men. Manch­mal ist man sich auch schlicht und ergrei­fend nicht mehr sicher, ob man die Tablette einge­nom­men hat oder nicht. Ist das dann schlimm? Höchst­wahr­schein­lich nicht. Natür­lich ist Folsäure ein wich­ti­ges Vitamin und gerade in der Schwan­ger­schaft von gestei­ger­ter Bedeu­tung. Dennoch macht es nichts aus, wenn die Einnahme mal  für einen Tag ausbleibt. Auch wenn man verges­sen hat, dass man bereits eine Kapsel zu sich genom­men hat, und so verse­hent­lich die doppelte tägli­che Dosis verzehrt, ist das kein Problem. Viel wich­ti­ger ist, dass man über den gesam­ten Zeit­raum von Kinder­wunsch, Schwan­ger­schaft und Still­zeit im Schnitt eine ange­mes­sene tägli­che Menge Folsäure zu sich genom­men hat.

Wird man mit Folsäure schneller schwanger?

Diese Frage ist weder klar mit Ja noch deut­lich mit Nein zu beant­wor­ten. Es gibt viele Fakto­ren, die eine Schwan­ger­schaft begüns­ti­gen können. Dazu gehört sicher­lich auch die Einnahme von ausrei­chend Folsäure oder Folat. Man geht davon aus, dass B-Vitamine wich­tig für die Bildung von Östro­gen und Proges­te­ron sind. Außer­dem ist Folsäure an den Prozes­sen der Zell­tei­lung und des Wachs­tums betei­ligt. Inso­fern ist es theo­re­tisch schon möglich, dass eine ange­mes­sene, bzw. gestei­gerte Zufuhr von Folsäure zu einem schnel­le­ren Eintre­ten der Schwan­ger­schaft beiträgt. Sicher sagen kann man das aber nicht und man kann leider auch im Nach­hin­ein nie sicher sein, ob es nun wirk­lich gehol­fen hat.

Sollte man Folsäure auch in der Stillzeit einnehmen?

Bei der Frage, ob man Folsäure während der Still­zeit nehmen soll, gehen die Meinun­gen ausein­an­der. Grund­sätz­lich scha­det die Einnahme während dieser Zeit weder Mutter noch Kind. Da in dieser Phase der Bedarf an Folsäure bei der Mutter immer noch erhöht ist, kann eine zusätz­li­che Einnahme von Folsäure durch­aus sinn­voll sein. Es gibt aller­dings auch Exper­ten und Ärzte, die eine Abset­zung der Präpa­rate nach der Geburt empfeh­len. Im Zwei­fel sollte diese Thema­tik immer mit dem behan­deln­den Frau­en­arzt bespro­chen werden.

Wie wirkt sich Folsäuremangel bei Schwangeren aus?

Gerade zu Beginn und im ersten Drit­tel der Schwan­ger­schaft finden rich­tungs­wei­sende Prozesse der früh­kind­li­chen Entwick­lung statt. In dieser entschei­den­den Früh­phase werden wich­tige Entwick­lungs­schritte für Nerven und Gehirn einge­lei­tet. Dafür ist eine ausrei­chende Zufuhr von Folsäure beson­ders wich­tig. Wenn ausge­rech­net in dieser Zeit ein Mangel an Folsäure vorliegt, kann es zu Störun­gen der neuro­na­len Entwick­lung kommen, was zu soge­nann­ten Neural­rohr­de­fek­ten beim Kind führen kann. Dabei kommt es zu einem unvoll­stän­di­gen Schluss des Neural­rohrs, aus dem sich später Gehirn und Nerven­sys­tem entwi­ckeln sollen. Die häufigs­ten Formen dieses Krank­heits­bil­des sind der offene Rücken (Spina bifida) und die Anen­ze­pha­lie. Glück­li­cher­weise ist es möglich, das Risiko einer solchen Fehl­bil­dung durch die konse­quente Einnahme von Folsäure massiv zu redu­zie­ren, weshalb Frauen idea­ler­weise bereits bei aufkom­men­dem Kinder­wunsch mit der Einnahme von 400µg Folsäure täglich in Form eines Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tels begin­nen soll­ten.

Was für Folsäure-Präparate gibt es?

Im Inter­net, Apothe­ken und Droge­rien wird mitt­ler­weile eine Viel­zahl von Folsäure-Präpa­ra­ten ange­bo­ten. Diese Produkte unter­schei­den sich in der Kapsel­zahl, der Art der Folsäure, der Dosie­rung und natür­lich dem Preis. Während der Schwan­ger­schaft, bzw. davor, ist es zunächst einmal wich­tig, dass das Folsäure-Präpa­rat ausrei­chend hoch dosiert ist. Offi­zi­el­len Empfeh­lun­gen zu Folge sollen Schwan­gere täglich 400µg Folsäure in Form eines Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tels zu sich nehmen. Ein gerin­ger dosier­tes Präpa­rat ist demnach schon mal nicht zu empfeh­len. Viele Anbie­ter machen jedoch auch das genaue Gegen­teil und bieten Präpa­rate mit 800µg, oder sogar deut­lich mehr an. Diese hohe Dosie­rung bietet nach aktu­el­lem Kennt­nis­stand keine Vorteile und ist daher unnö­tig. Es besteht sogar die Möglich­keit, dass große Mengen synthe­ti­scher Folsäure das Risiko bestimm­ter Krebs­ar­ten erhö­hen, weswe­gen es siche­rer ist, auf mode­rat dosierte Präpa­rate auszu­wei­chen.

Neben der Dosie­rung spielt die Art der Folsäure eine wich­tige Rolle. Am wich­tigs­ten ist dabei die Unter­schei­dung zwischen natür­li­chen Nahrungs­fo­la­ten und deren synthe­ti­schem Nach­bau, der Folsäure. Letzte kommt eigent­lich nicht in unse­rer Nahrung vor und muss erst im Körper “akti­viert” werden. Da dieser Vorgang nicht bei jedem Menschen gleich gut funk­tio­niert, bieten manche Herstel­ler mitt­ler­weile auch bereits “akti­vierte” Folsäure-Formen an, wie z. B. 5-Methyl-Tetra­hy­dro­fo­lat. Eine andere, nahe­lie­gende Methode ist es, einfach die natür­li­chen Nahrungs­fo­late in Extrak­ten zu konzen­trie­ren. Diese natür­li­chen Folsäure-Präpa­rate (die tech­nisch gese­hen nur Folate und keine Folsäure enthal­ten) haben außer­dem den Vorteil, dass sie im Gegen­satz zur künst­li­chen Folsäure noch nie mit der Entste­hung von Krebs in Verbin­dung gebracht werden konn­ten.

Ist Folsäure für Kinder geeignet?

Folsäure könnte unter Umstän­den auch für Kindern sinn­voll sein. Genau wie Erwach­sene haben auch Kinder einen gewis­sen Bedarf an Folsäure, der gedeckt werden muss. Dies sollte in der Regel durch eine gesunde, ausge­wo­gene Ernäh­rung zu bewerk­stel­li­gen sein. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass in beson­de­ren Fällen eine erhöhte Dosis an Folsäure einen Zusatz­nut­zen brin­gen könnte. So konnte man in einer Studie beob­ach­ten, dass autis­ti­sche Kinder nach der Einnahme von 400µg Folsäure täglich über drei Monate weni­ger Autis­mus-Symptome zeig­ten, als die Kinder in der Kontroll­gruppe ohne Folsäure. Die Forscher schlos­sen daraus, dass Folsäure die Entste­hung und Ausprä­gung von Autis­mus beein­flus­sen könnte.

Dennoch sollte man bei Kindern mit Nahrungs­er­gän­zungs­mit­teln immer vorsich­tig sein. Wie bei Medi­ka­men­ten, soll­ten auch Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel gene­rell fern von klei­nen Kindern gehal­ten werden. Sie können meist nicht selbst einschät­zen, was sie brau­chen und soll­ten Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel wenn über­haupt nur unter Aufsicht eines Erwach­se­nen einneh­men. Ziehen Eltern also eine gezielte Einnahme von Folsäure-Produk­ten in Erwä­gung, um den Folsäure-Spie­gel des Kindes zu erhö­hen, so soll­ten sie das in jedem Fall zunächst mit dem behan­deln­den Arzt abspre­chen. Nur dann kann abschlie­ßend beur­teilt werden, ob das Kind von einer gestei­ger­ten Folsäure-Einnahme profi­tie­ren könnte.